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Kartoffel, du Knollenheld der Gemüsewelt – Alles, was du wissen musst!

Braune Kartoffeln mit Erde

Kartoffeln gelten schnell als das unspektakulärste Gemüse im Vorratsschrank – die verlässliche Basis, die nie im Mittelpunkt steht.

Dabei ist dieser bescheidene Knollenheld eine der vielseitigsten Zutaten überhaupt:

mehr als 200 registrierte Sorten in Deutschland, jede mit eigenem Charakter für Kartoffelsalat, Kartoffelpüree oder Ofengericht. In diesem Beitrag erklären wir dir, wie du Kartoffeln richtig lagerst, welche Fehler du beim Kochen vermeiden solltest und mit welchen Rezepten sie endlich die Aufmerksamkeit bekommt, die ihr zusteht. Von Juni bis Ende August gibt es frisch geerntete Kartoffeln, von September bis Mai übernimmt dann die Lagerware aus heimischem Anbau, mehr dazu findest du in unserem Saisonkalender Beitrag.

Dabei ist die Kartoffel alles andere als ein Kalorien-Sündenfall: Gekocht bringt sie es auf gerade einmal rund 70 bis 80 Kilokalorien pro 100 Gramm, ist von Natur aus fettarm und liefert dazu Vitamin C, Kalium, Vitamin B6 und wertvolle Ballaststoffe. Damit unterstützt sie Verdauung, Muskel- und Nervenfunktion und macht mit ihrem hohen Stärkeanteil lange satt. Ein Gemüse, das zu Unrecht als Dickmacher verschrien ist. Grund genug, ihm mehr Beachtung mit vielfältigen Kartoffelrezepten zu schenken!

zu schenken! Warum die Kartoffel mehr kann, als du denkst

Die Kartoffelsaison beginnt bereits Mitte Juni mit den ersten Frühkartoffeln wie Annabelle oder Sieglinde.

Sie haben eine besonders zarte Schale und einen milden, leicht süßlichen Geschmack. Bis Ende August wird noch frisch geerntet, danach ist die Freilandsaison vorbei. Von September bis Mai versorgen uns dann Lagersorten wie Linda oder Laura, deren robustere Schale und höherer Stärkegehalt sie monatelang haltbar macht, sodass wir uns auch im Winter an heimischen Kartoffeln erfreuen können, statt auf Importware angewiesen zu sein.

Ernährungsphysiologisch ist die Kartoffel deutlich stärker unterschätzt, als ihr Ruf vermuten lässt. Eine mittelgroße Kartoffel deckt einen großen Teil deines täglichen Vitamin-C-Bedarfs, dazu liefert sie Kalium für einen gesunden Blutdruck und Vitamin B6 für den Stoffwechsel. Besonders viele Nährstoffe sitzen direkt unter der Schale. Kochst du Kartoffeln deshalb ungeschält als Pellkartoffel, bleiben mehr davon erhalten, als wenn du sie vorher schälst und im Kochwasser auslaugst. Ein weiterer Trick aus der Ernährungswissenschaft: Lässt du gekochte Kartoffeln abkühlen, bildet sich resistente Stärke, die von Darmbakterien genutzt wird und den Blutzuckeranstieg im Vergleich zu frisch gekochten Kartoffeln etwas abmildern kann.

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Von Bratkartoffel bis Blumenkohl-Auflauf: Die besten Kartoffelgerichte

Kaum ein Gemüse ist so wandlungsfähig wie die Kartoffel, kein Wunder, dass Kartoffelsalat bei rund 30 Prozent der Deutschen sogar an Heiligabend auf dem Tisch steht. Hier ein paar Klassiker und Ideen für deine nächste Kochsession:

  • Kartoffel-Blumenkohl-Auflauf: Kartoffeln und Blumenkohlröschen schichtweise mit Bechamelsauce und Käse überbacken. Falls du unseren Blumenkohl-Beitrag schon gelesen hast, kennst du dieses Kartoffelrezept bereits.
  • Bratkartoffeln: In der Pfanne knusprig gebraten, mit Zwiebeln und etwas Speck ein zeitloser Klassiker für ein schnelles Kartoffelgericht.
  • Kartoffelsalat: Ob mit Mayonnaise oder klassisch mit Brühe angemacht, festkochende Sorten halten dabei ihre Form am besten.
  • Ofenkartoffeln: Im Ganzen oder als Spalten mit Kräutern und Olivenöl im Ofen geröstet, eine unkomplizierte Beilage mit wenig Aufwand.
  • Kartoffelpüree: Mehligkochende Sorten ergeben das cremigste Ergebnis, mit etwas Butter und warmer Milch verfeinert.

Wer nach weiteren Ideen für Gerichte mit Kartoffeln sucht, findet in unserer Rezepte App eine wachsende Sammlung saisonaler Rezepte, bei denen die weiteren Zutaten genau auf die aktuelle Erntezeit abgestimmt sind.

So erkennst Du Kartoffelqualität auf den ersten Blick

1. Achte auf eine feste, unbeschädigte Schale

Eine gute Kartoffel fühlt sich fest an und hat eine glatte, möglichst unversehrte Schale. Drückst du leicht mit dem Finger dagegen, sollte sie keinesfalls nachgeben oder weich wirken. Das kann auf zu lange Lagerung oder beginnende Fäulnis hindeuten.

2. Kaufe keine Kartoffeln mit grünen Stellen

Grüne Verfärbungen entstehen durch Lichteinfall und deuten auf einen erhöhten Gehalt des natürlichen Bitterstoffs Solanin hin. Solche Stellen solltest du großzügig entfernen oder die Kartoffel im Zweifel nicht kaufen.

3. Vermeide Kartoffeln mit starken Keimen

Kleine Keimansätze sind bei längerer Lagerung normal. Haben die Kartoffeln jedoch bereits lange Triebe gebildet, sind sie meist älter und haben einen Teil ihrer Qualität eingebüßt.

4. Wähle die passende Sorte für dein kartoffelgericht

Festkochende Sorten wie Linda, Sieglinde oder Nicola behalten beim Kochen ihre Form und eignen sich besonders für Salate und Bratkartoffeln. Linda zählt dabei zu den bekanntesten Kartoffelsorten Deutschlands.

5. Greife für vielseitige Gerichte zu vorwiegend festkochenden Sorten

Sorten wie Laura gelten als echte Allrounder. Sie eignen sich für Aufläufe, Gratins und viele weitere Kartoffelgerichte.

6. Verwende mehligkochende Kartoffeln für Püree und Suppen

Sorten wie Adretta oder Agria zerfallen beim Garen leicht. Dadurch sind sie ideal für Kartoffelpüree, Knödel oder cremige Suppen.

7. Probiere besondere Kartoffelsorten aus

Wer etwas Abwechslung auf den Teller bringen möchte, findet mit der violett-blauen Vitelotte sogar eine echte Farbkartoffel im Handel. Sie sorgt nicht nur optisch für einen Hingucker, sondern bringt auch ein leicht nussiges Aroma mit.

Dunkel, kühl, kein Kühlschrank: So lagerst du Kartoffeln richtig

Anders als viele andere Gemüsesorten gehört die Kartoffel nicht in den Kühlschrank:

Bei Temperaturen unter etwa 4 Grad wandelt sich ihre Stärke in Zucker um, was den Geschmack unangenehm süßlich verändert und beim Braten zu stärkerer Bräunung führt. Besser geeignet ist ein dunkler, kühler und gut belüfteter Ort bei 4 bis 8 Grad, zum Beispiel ein Keller oder eine Vorratskammer, dort halten sich Kartoffeln je nach Sorte mehrere Monate.

Wichtig ist außerdem, sie vor Licht zu schützen: Lichteinfall regt die Bildung von Chlorophyll und Solanin an, wodurch die Schale grün wird. Eine Papiertüte, ein Jutesack oder eine geschlossene Holzkiste eignen sich daher besser als durchsichtige Verpackungen. Angebrochene, bereits gewaschene oder geschälte Kartoffeln solltest du innerhalb weniger Tage verbrauchen und im Kühlschrank aufbewahren.

Diese Fehler ruinieren deine Bratkartoffeln und Pommes

Für knusprige Bratkartoffeln oder Pommes lohnt es sich, die geschnittenen Kartoffeln vor dem Braten kurz unter fließendem Wasser abzuspülen:

Die oberflächliche Stärke, die dabei abgewaschen wird, würde sonst schnell verbrennen oder matschig werden. Auch längeres Wässern ist kein Fehler. Viele Restaurants und die Industrie machen das bei Pommes bewusst. Entscheidend ist, was danach passiert: Werden die Stücke nicht gründlich getrocknet, bleibt zu viel Feuchtigkeit zurück, und genau das verhindert die Knusprigkeit, die du eigentlich bei diesem schnellen Kartoffelgericht erreichen möchtest.

Auch beim Kochen selbst schleicht sich ein Mythos ein: Salz im Kochwasser lässt die Schale nicht aufplatzen, im Gegenteil, es sorgt für Geschmack und wirkt dem Austreten von Inhaltsstoffen eher entgegen. Aufgeplatzte Schalen entstehen meist durch zu stark sprudelndes Kochen oder durch stark unterschiedlich große Stücke, die ungleichmäßig garen. Ein sanftes Köcheln statt starkem Sprudeln schont die Schale und das Aroma der Kartoffeln gleichermaßen.

Warum du grüne Stellen und Keime immer entfernen solltest

Grüne Stellen und Keime an Kartoffeln enthalten erhöhte Mengen an Solanin, einem natürlichen Bitterstoff, der die Pflanze vor Fraßfeinden schützt. In größeren Mengen kann er beim Menschen zu Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden führen. Kleinere grüne Stellen und Keime lassen sich großzügig herausschneiden, stark grün verfärbte oder bereits stark ausgetriebene Kartoffeln solltest du besser komplett entsorgen. Wichtig zu wissen: Solanin ist extrem hitzebeständig und zersetzt sich erst bei Temperaturen von über 240 Grad, normales Kochen bei 100 Grad hat darauf also kaum Einfluss. Ein Teil des Solanins kann dabei ins Kochwasser übergehen, weshalb Kochwasser von stark grünen oder gekeimten Kartoffeln nicht weiterverwendet werden sollte.

3 Spannende Fakten über die Kartoffel

1. Herkunft der Kartoffel

Die Kartoffel stammt ursprünglich aus den Anden Südamerikas, wo sie schon vor Jahrtausenden von indigenen Völkern kultiviert wurde. Nach Europa kam sie im 16. Jahrhundert, setzte sich hierzulande aber erst deutlich später durch: Friedrich der Große förderte den Kartoffelanbau in Preußen im 18. Jahrhundert mit mehreren sogenannten Kartoffelbefehlen, weil die Bevölkerung der fremden Knolle zunächst misstraute. Heute ist sie eines der beliebtesten Gemüse Deutschlands überhaupt.

2. Die Kartoffel ist keine Wurzel

Botanisch gehört die Kartoffel zu den Nachtschattengewächsen und ist damit eng verwandt mit Tomate und Paprika. Alle drei stammen ursprünglich aus Süd- und Mittelamerika. Anders als bei ihren Verwandten essen wir bei der Kartoffel jedoch nicht die Frucht, sondern die unterirdische Sprossknolle, in der die Pflanze ihre Energiereserven speichert.

3. Es gibt mehr als 200 Kartoffelsorten

Und noch ein Fakt, der überrascht: Mehr als 200 registrierte Kartoffelsorten werden in Deutschland angebaut oder gehandelt, die Sortenvielfalt ist riesig, von der zartschaligen Frühkartoffel bis zu Spezialitäten wie dem Bamberger Hörnchen mit seinem butterartigen Geschmack. Manche Sorten wie Linda werden schon seit Jahrzehnten angebaut, andere wurden erst vor wenigen Jahren gezüchtet, um noch besser gegen Krankheiten oder Trockenheit gewappnet zu sein.

Häufig gestellte Fragen rund um die Kartoffel

Kann ich Kartoffeln mit Schale essen?

Ja, und das lohnt sich sogar: Direkt unter der Schale sitzen besonders viele Vitamine und Ballaststoffe. Gründlich waschen reicht meist aus, solange die Kartoffel keine grünen Stellen oder Druckstellen hat.

Warum werden meine Bratkartoffeln nicht knusprig?

Meist liegt es an zu viel Feuchtigkeit oder zu dicht liegenden Stücken in der Pfanne. Kartoffeln vor dem Braten gut abtrocknen und in der Pfanne genug Platz lassen, damit der Dampf entweichen kann, statt die Kartoffeln zu dünsten.

Sind grüne Kartoffeln giftig?

In größeren Mengen ja: Die grünen Stellen enthalten erhöhte Mengen an Solanin, das Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden auslösen kann. Werden die betroffenen Stellen großzügig entfernt, ist eine ansonsten unauffällige Kartoffel meist unbedenklich. Stark grün verfärbte oder stark ausgetriebene Exemplare solltest du dagegen komplett entsorgen.

Welche Kartoffel eignet sich für welches Kartoffelgericht?

Festkochende Sorten wie Linda oder Sieglinde für Salat und Bratkartoffeln, mehligkochende wie Adretta für Püree und Knödel, vorwiegend festkochende wie Laura als vielseitiger Allrounder dazwischen. Im Supermarkt steht der Kochtyp meist direkt auf der Verpackung.

Fazit: Die Kartoffel hat mehr verdient als die Rolle der Beilage

Ob als cremiges Püree, knusprige Bratkartoffel oder im Kartoffel-Blumenkohl-Auflauf: Die Kartoffel ist alles andere als langweilig, sobald man ihre Sortenvielfalt und ihre Nährstoffe kennt. Mit der richtigen Lagerung bleibt sie monatelang haltbar, und mit dem passenden Wissen über Sorten und Zubereitung gelingt so gut wie jedes Kartoffelgericht, ganz gleich, ob du auf festkochende Klassiker wie Linda setzt oder mehligkochende Sorten für dein nächstes Püree ausprobierst. Lust bekommen, öfter zur Kartoffel zu greifen? In unserer App findest du passende Rezepte für die aktuelle Saison, und in unserem Saisonkalender erfährst du, welches Gemüse als Nächstes an der Reihe ist.

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